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Die vier sind ganz schön aufgeklärt

Von Annina Hasler, Berner Zeitung, 15.06.2009

Wie erkläre ich meinem Kind, wie Geschlechtsverkehr funktioniert? Mit diesem Thema haben sich vier junge Frauen vom Gymnasium Köniz-Lerbermatt beschäftigt. Für den «Kassensturz» testeten sie Aufklärungsbücher.
 

Vier Testerinnen, fünf Bücher: Meret Fust, Joy Slappnig, Deborah Amstutz, Carole Varidel (v.l.)
Bild: Stefan Anderegg

Auftakt am Dienstag

Zum zweiten Mal seit 2007 hat die «Kassensturz»-Redaktion den Wettbewerb «Schweizer Jugend testet» ausgeschrieben. 150 verschiedene Teams, bestehend aus Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren, haben ihre Testberichte eingereicht. Von widerstandsfähigem Nagellack, über Windeln bis zu öffentlichen WCs: Den ausgewählten Objekten und Ideen der Jugendlichen waren keine Grenzen gesetzt.

Die «Kassensturz»-Jury hat die zehn besten Tests ausgewählt. Bewertet hat sie Originalität, Nützlichkeit und Durchführung der Tests. Auch die Darstellung des Testberichts zählte. Die nominierten Teams aus der ganzen Schweiz werden in den nächsten «Kassensturz»-Sendungen (jeweils dienstags vom 16. bis 30. Juni um 21.05 auf SF1) vorgestellt. Dem Gewinnerteam winkt ein Preisgeld von 3000 Franken.

Die vier Schülerinnen sprechen ohne Hemmungen über Orgasmus, Selbstbefriedigung und die Menstruation. «Meistens sind die Themen unseren Gesprächspartnern peinlicher als uns», sagt Joy Slappnig.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen Meret Fust, Carole Varidel und Deborah Amstutz hat sie beim Wettbewerb «Schweizer Jugend testet» mitgemacht (siehe Kasten). Die vier Frauen wollten unbedingt einen originellen Testgegenstand auswählen - Bleistifte oder Kaugummi zu untersuchen, fanden sie zu langweilig.

Geschwister als Inspiration

Aber wieso wählten sie ausgerechnet Aufklärungsbücher? Mit 17 Jahren ist man doch meistens schon aufgeklärt. «Ich habe drei kleine Geschwister und gemerkt, wie schwierig es ist, ihnen altersgerecht die Sexualität zu erklären», erzählt Joy Slappnig. Darin sind sich die vier einig: Alle können aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Aufklärung nicht einfach zu handhaben ist. Meret Fust ist überzeugt, dass es den Eltern oft unangenehm ist, über Sex zu sprechen.

Die vier Gymnasiastinnen haben sich geeinigt, Bücher für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren zu untersuchen. «Das ist die Zeit, in der man beginnt, Fragen zu stellen, welche die Sexualität betreffen», so Deborah. Ausgewählt hat sie mit ihren Freundinnen die fünf Bücher, die am meisten verkauft werden und die in jeder Buchhandlung erhältlich sind.

Für Deborah, Meret, Joy und Carole müssen Aufklärungsbücher aber nicht nur von Geschlechtsverkehr und dem menschlichen Körper handeln, sondern auch Bereiche wie Verliebtsein oder Homosexualität ansprechen. «Kinder sollen lernen, Selbstbefriedigung oder Homosexualität von Anfang an als etwas Normales zu betrachten», sagt Joy. Es sei wichtig, dass die Aufklärungsbücher nicht nur die Anatomie des Menschen erklären, sondern auch seine Gefühle.

Auch der Humor

Neben diesen inhaltlichen Aspekten hat das Team weitere Kriterien aufgestellt. Anschaulich und kindergerecht geschrieben müssen die Bücher sein, denn: «Ein Kind muss das Buch selber lesen und verstehen können», findet Joy.

Humor ist ebenfalls ein Aspekt, den sie beurteilten. Sie zeigen ein Buch, in dem auf einer Doppelseite nackte Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe und jeder Postur gezeichnet sind. «Hier wird Nacktheit auf humorvolle Weise anschaulich dargestellt,», sagt Meret. Sie hätten aber auch Bücher gefunden, die mit plumpem Humor arbeiten, den Kinder nicht verstehen. Der Testsieger heisst «Ganz schön aufgeklärt». Gewonnen hat das Buch, weil es vor allem das Kriterium «kindergerecht» am besten erfüllt hat.

Die «Sexpertinnen»

Vor einigen Wochen haben die jungen Frauen von der Wettbewerbsjury den Bescheid erhalten, dass ihr Test unter die zehn Besten gewählt wurde. Die «Kassensturz»-Redaktion hat sie in der Schule besucht und ihnen beim Testen über die Schulter geschaut. Der Beitrag wird in einer der nächsten Sendungen ausgestrahlt.

Als die Schülerinnen ihr Projekt am Elternabend im Gymnasium präsentierten, stellte man sie als «Sexpertinnen» vor. «In dieser Rolle gefallen wir uns gut», sagt Joy mit einem schelmischen Lächeln.

Und eigene Erfahrungen?

Über ihre persönlichen Erlebnisse wollen sie nicht detailliert Auskunft geben. «Wir haben nicht alle gleich viele Erfahrungen gesammelt bis jetzt», soviel verrät Deborah. Aber Sex und alles drum herum sei immer ein Thema bei ihnen. Tabus gebe es nicht. Und verliebt sind auch alle vier schon gewesen, ergänzt Meret. Obwohl die Gymnasiastinnen sehr aufgeschlossen wirken, entweicht ihnen ab und zu ein Kichern. Auch sie wüssten noch nicht alles über Sex, meint Joy.


Gewonnen: Das Team kürte "Ganz schön aufgeklärt" zum Sieger.

«Ganz schön aufgeklärt» von Jörg Müller ist erschienen Loewe-Verlag. ISBN: 3-7855-4434-0.

(Berner Zeitung)

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